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Für immer Edelstahl

Instrumentenpflege in der Zahnarztpraxis

Wer sich im Mittelalter einen schmerzenden „Zahnwurm“ eingefangen hatte, war arm dran: Mit schmutzigen Händen und eingerosteter Zange rückte der „Zahnbrecher“ der Entzündung zu Leibe –und hinterließ garantiert noch mehr Schmerzen als vorher. Doch die Zeiten sind längst vorbei. In der modernen Zahnarztpraxis gibt es mittlerweile für jede Behandlung das passende Instrument. Mit filigranem Besteck aus hochwertigem Stahl werden punktuell Läsionen behandelt. Dabei kommt jeder Patient in den Genuss von hygienisch einwandfreien Instrumenten. Doch was so einfach klingt, ist manchmal eine Wissenschaft für sich.

Instrumentenpflege in der Zahnarztpraxis

Die fachgerechte Pflege und Aufbereitung medizinischer Instrumente ist ein Thema, das jede Zahnarztpraxis betrifft. Instrumente sind nicht ganz billig und müssen daher zur Erhaltung von Funktion und Wert sachgemäß aufbereitet werden. Teuer können nicht oder falsch aufbereitete Instrumente auch für die Gesundheit von Patient oder Praxis-Personal werden. Mit Gewebe, Speichel oder Blut kontaminiertes Werkzeug kann bei allen Beteiligten das Risiko für Infektionen erhöhen – für die am Ende der Behandler haftet. Deswegen ist die richtige Aufbereitung von Medizinprodukten auch eine rechtliche Frage.

In seinem aktuellen Hygieneleitfaden beschreibt der Deutsche Arbeitskreis für Hygiene in der Zahnmedizin (DAHZ) die fachgerechte Aufbereitung von Medizinprodukten. Wie das dann im Detail aussehen sollte, können Zahnarztpraxen im Hygieneplan der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und des DAHZ nachlesen. Dabei kommt es nicht nur auf das „Wie?“ an. Neben der Frage nach dem richtigen Reinigungsmittel ist auch eine Risikobewertung der Instrumente durch den Praxisbetreiber nötig.

Risikobewertung

Risikobewertung InstrumenteGewebe, Blut, Zahnsubstanzen, Speichel von Patienten, kontaminierte Hände von Zahnarzt und Mitarbeitern, andere kontaminierte Instrumente, Gegenstände und Substanzen – in der täglichen Praxis gibt es eine Menge Potential für die Übertragung krankmachender Keime. Allerdings macht es einen großen Unterschied, ob ein Instrument normalerweise nur intakte Haut berührt oder diese tatsächlich durchdringt und dabei mit Blut oder Gewebe in Kontakt kommt. Wie ein Instrument gereinigt werden muss, hängt nämlich davon ab, wie stark das zu behandelnde Gebiet von Bakterien besiedelt ist.

Zur genauen Risikobeurteilung werden Medizinprodukte daher eingestuft in:

  • unkritisch (nur Kontakt mit intakter Haut)
  • semikritisch (Kontakt mit Schleimhaut oder krankhaft veränderter Haut)
  •  kritisch (Kontakt mit Blut, innerem Gewebe, Organen und Wunden).

Das macht Sinn, denn Instrumente, mit denen eitrige Wunden behandelt werden, müssen natürlich anders aufbereitet werden als solche, die für die Entfernung einer akuten Parodontitis oder eines teilweise durchbrochenen Weisheitszahnes verwendet werden. Bei Kontakt mit lediglich Speichel und Plaque mit einer mäßig hohen Keimzahl sind nochmals weniger strenge hygienische Anforderungen gefragt.

Reinigung

Nach jeder Behandlung müssen medizinische Instrumente also gemäß ihrer Einstufung aufbereitet werden. Dabei gilt ein Instrument schon dann als kontaminiert und damit reinigungsbedürftig, wenn es lediglich offen bereitgestellt wurde. Vor der eigentlichen Desinfektion und Sterilisation werden zunächst Schmutz und Verunreinigungen entfernt, denn diese können während des Sterilisationsprozesses Flecken, Rost und andere Schädigungen verursachen. Eine besondere Herausforderung stellt die Reinigung von Instrumenten mit Hohlkörper dar: Sie müssen vor der Sterilisation gründlich mit Wasser durchspült und mit Druckluft getrocknet werden. Spezielle Adaptern? helfen dabei, diese Instrumente sicher zu befestigen, sodass sie einem sehr hohen Spüldruck standhalten.

Medizinische Instrumente zur Mehrfachverwendung bestehen i.d.R. aus hochwertigem, rostfreien Stahl und werden aus einem Stück gefertigt. Das macht sie besonders stabil und widerstandsfähig. Damit Aussehen und Funktion lange erhalten bleiben, ist bei der Aufbereitung daher auch die Beachtung der Materialeigenschaften notwendig. Wasserrückstände auf einem gereinigten Instrument werden mit einem weichen Tuch abgetupft, da sie andernfalls Rost verursachen. Aus gleichem Grund sollten Instrumente aus Stahl nicht in physiologische Kochsalzlösung gelegt werden.

Desinfektion und Sterilisation

InstrumentenreinigungNach der Reinigung kommen die Instrumente in die Desinfektionswanne, ins Ultraschallbad oder direkt ins Reinigungs- und Desinfektionsgerät. Wichtig für eine gründliche Desinfektion ist die Beachtung von Dosierung und Einwirkzeit der verwendeten Desinfektionsmittel. So kann eine zu geringe Dosierung wirkungslos sein, wohingegen eine zu starke Dosierung Schäden am Instrument verursachen kann. Im Dampfsterilisator werden abschließend auch noch die letzten Bakterien beseitigt.

Auch wenn der Aufwand groß ist: Dank der richtigen Hygiene muss sich heutzutage niemand mehr vor einem schmerzhaften Erwachen am nächsten Morgen fürchten. Wie der „Zahnwurm“ ist auch die rostige Zange schon lange nicht mehr Teil der zahnärztlichen Praxis. Das ist nicht nur gut für den Patienten, sondern auch für das gesamte Praxis-Team.

Hochwertige Instrumente für die zahnärztliche Praxis sowie Angebote zum dazugehörige Reinigungs- und Desinfektionsmaterial finden Sie in unserem kleinDENTAL Online-Shop.

Tipps & Tricks zur Instrumentenpflege

  • Flecken
    Flecken auf Instrumenten werden verursacht durch unsachgemäße Aufbereitung mit „falschem“ Wasser. Die Lösung: Instrumente immer mit Wasser in mind. Trinkwasserqualität oder Aqua-Destillata gründlich abspülen und sorgfältig mit einem weichen Tuch abtrocknen.
  • Rost
    Gelb-braune bis dunkelbraune Verfärbungen sind ein Zeichen für Rost und müssen entfernt werden. Um Rost zu vermeiden, sollten Instrumente mit beweglichen Teilen regelmäßig mit Öl-Spray auf Paraffinbasis behandelt werden.
  • Lochfraß
    Lochfraß entsteht, wenn ein Instrument mit Chloriden, Jodiden oder Bromiden in Berührung kommt. Da er sich schnell ausbreitet, müssen betroffene Instrumente gleich aussortiert werden. Vorbeugend sollte ein Instrument nach Kontakt mit Chloriden sofort desinfiziert und gereinigt werden.
  • Flugrost
    Flugrost ist „ansteckend“! Betroffene Instrumente sollten daher nicht mehr gemeinsam mit anderen Instrumenten sterilisiert, sondern zunächst von einer Fachperson überprüft werden. Wenn nichts mehr hilft, wird das Instrument aussortiert.
  • Kontaktkorrosion
    Instrumente aus rostfreiem Stahl und nicht-rostfreiem Stahl sollten nicht gemeinsam gereinigt und sterilisiert werden, da sonst Kontaktkorrosion droht. Daher gilt: Gleiches mit Gleichem aufbereiten!

Bildmaterial:
Abb. 1: © r.classen; www.shutterstock.com
Abb. 2:© botazs olti; www.shutterstock.com
Abb. 3: © Anna Jurkovska; www.shutterstock.com

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