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Gut gerüstet für den Notfall

Erste Hilfe in der Zahnarztpraxis

Die Bevölkerung wird immer älter, multimorbide Erkrankungen nehmen weiter zu und damit auch die Zahl medizinischer Notfälle. Ein lebensbedrohlicher Notfall in der Zahnarztpraxis gehört eher zur Seltenheit. Dennoch sollte das gesamte Praxisteam auch auf eine solche Situation gut vorbereitet sein. Denn hier geht es sowohl um ein Leben, welches akut in Gefahr schwebt, als auch um rechtliche Konsequenzen für den Zahnarzt, wenn dieser nicht angemessen reagieren kann.

Notfall - Erste Hilfe in der Zahnarztpraxis

Was ist ein Notfall? Als Notfall gilt zunächst einmal jede Situation, in der Gefahr für Leib und Leben einer Person besteht. In der Ersten Hilfe zählen zu den Notfällen diejenigen Zustände, bei denen es zu einer lebensbedrohlichen Störung der Vitalparameter kommt. Dazu gehören: Bewusstsein, Atmung, Kreislauf, Funktionskreislauf, Wasser-Elektrolyte-Haushalt und Stoffwechsel. Auch Selbstmordabsichten, Psychosen oder Gewaltanwendung gegen dritte Personen fallen in die Kategorie Notfall.

Die meisten Notfälle in der Zahnarztpraxis sind eher harmloser Natur. Eine Kreislaufstörung oder ein akuter Angstzustand während einer Behandlung können schonmal auftreten und stellen zunächst noch keine Lebensgefahr für den betroffenen Patienten dar. Dennoch sollte jede Zahnarztpraxis auch für den Fall der Fälle gerüstet sein. Hierzu zählt ein effektives Notfallmanagement ebenso wie entsprechende Notfall-Materialien bzw. -Medikamente.

Notfallmanagement

Erste-Hilfe-KursEin Notfall kommt immer unvorhergesehen, sollte jedoch keine Überraschung verursachen. Stellt sich bei der Bewältigung eines solchen Falles eine akute Überforderung des Praxispersonals ein, ist das in erster Linie auf Erfahrungsmangel und fehlende Vorbereitung zurückzuführen. Wie für vielerlei Dinge gilt auch für Notsituationen: Ein effizientes Management ist das A und O und rettet – im Notfall – auch mal Leben. Zahnärzte sollten sich daher bereits im Vorfeld einen Notfallplan zurechtlegen und das gesamte Praxisteam umfassend darüber informieren.

Mit der richtigen Organisation und klaren Handlungsanweisungen lässt sich einem Notfall in der Praxis souverän begegnen. Die wichtigsten Verhaltensweisen sind dabei: Schnell sein, Ruhe bewahren und besonnen handeln. Das ist manchmal gar nicht so einfach, denn so ein Notfall erzeugt bei allen Beteiligten eine Menge Adrenalin. Das Wissen um wichtige Erste-Hilfe-Maßnahmen sowie standardisierte Abläufe gibt dabei die nötige Sicherheit. Als Praxisbetreiber ist es daher von Zeit zu Zeit sinnvoll, entsprechende Weiterbildungsmaßnahmen für das gesamte Team anzubieten.

Erste Hilfe

Erste Warnsignale für einen potentiellen Notfall sind kritische Veränderungen der Vitalfunktionen. Hierzu gehört beispielsweise eine Veränderung der Gesichtsfarbe, eine zunehmend erschwerte Atmung oder eine plötzliche Bewusstseinstrübung. Sofortiges und zielgerichtetes Handeln sind gefragt. Bei Gewahr werden eines Notfalls mit lebensbedrohlichen Folgen sollte zügig ein Notruf unter der 112 abgesetzt werden, um weitere Hilfe anzufordern. Denn: Umso schneller der Rettungsdienst vor Ort ist, umso geringer wird der Handlungsdruck in der Praxis. Der Rettungsdienst stellt außerdem eine adäquate Weiterversorgung des Patienten in der Klinik sicher.

Bis zum Eintreffen des Notarztes gilt es jedoch, alle wichtigen Vitalfunktionen wie Atmung, Bewusstsein und Kreislauf bestmöglich zu stabilisieren. Hier ist die sichere Beherrschung von Erste-Hilfe-Maßnahmen erforderlich. Dazu gehört die Basisreanimation, Durchführung der stabilen Seitenlage und Maßnahmen wie Blutdruckmessen. In einigen Fällen kann die Gabe von Notfall-Medikamenten auch zur Stabilisierung des Patienten beitragen, wie beispielsweise im Fall einer akuten allergischen Reaktion mit Atemwegsstörungen.

Sinnvolle Materialien

Hilfsmittel für NotfälleDie notfallmedizinische Behandlung gehört normalerweise nicht zur Behandlungsroutine in der Zahnarztpraxis. Daher variiert die Notfall-Ausstattung in Praxen auch stark und ist selten einheitlich. Ein gut sortiertes Notfallköfferchen, das immer mal wieder überprüft und auf den neusten Stand gebracht wird, ist dabei sinnvoller, als ein Übermaß an Notfallutensilien. Diese kosten nicht nur viel Geld, sondern können im akuten Fall auch für Unübersichtlichkeit und Verunsicherung sorgen.

Wenige, aber sicher beherrschte Maßnahmen reichen für die Erstversorgung in der Praxis meistens aus. Sie tragen i.d.R. dazu bei, die notwendige Stabilisierung des Patienten bis zum Eintreffen des Notarztes sicherzustellen, welcher den Patienten dann zur weiterführenden Behandlung in die Klinik bringt.

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Das 1x1 der Ersten Hilfe

  • Schritt 1: Notarzt unter 112 anfordern! Diese wohl wichtigste Erste-Hilfe-Maßnahme stellt eine adäquate Weiterversorgung des Notfallpatienten sicher und entlastet – bei schnellem Eintreffen der Rettungskräfte – Zahnarzt und Praxisteam.
  • Schritt 2: Atmung und Bewusstsein überprüfen Sobald sich erste Notfall-Zeichen einstellen, sollten Atemwege des Patienten freigemacht und offengehalten sowie das Bewusstsein durch Ansprechen und Anfassen überprüft werden. Hat der Notfallpatient einen Fremdkörper oder Flüssigkeit eingeatmet, muss dieser sofort entfernt werden. Patienten mit Atmungs- und Bewusstseinsstörungen werden mit erhöhtem Oberkörper gelagert. Bewusstlose Patienten werden in die stabile Seitenlage gebracht. Ist keine Atmung vorhanden, wird eine Herzdruckmassage durchgeführt.
  • Schritt 3: Herzdruckmassage durchführen Hierbei wird der Notfallpatient zunächst in Rückenlage gebracht. Abwechselnd erfolgen nun Kompressionen und Atemstöße durch den Ersthelfer. Dieser legt seine Hände übereinander und platziert den Handballen mittig auf dem Brustbein des Patienten. Mit senkrecht gestreckten Armen wird das Brustbein 30mal in schneller Folge ca. 5 cm in die Tiefe gedrückt, zwischen zwei Stößen wird der Brustkorb kurz komplett entlastet. Im Anschluss an die 30 Stöße erfolgen 2 Atemstöße und erneute Kompression. Pro Minute sollten 100 Stöße erfolgen. Durch die im Wechsel durchgeführte Kompression und Beatmung werden überlebenswichtige Organe mit Blut bzw. Sauerstoff versorgt.
  • Schritt 4: Medikamente geben Zur Stabilisierung der Vitalfunktionen bis zum Eintreffen der Rettungskräfte können dem Notfallpatienten in der Zahnarztpraxis kreislaufwirksame Medikamente, wie Adrenalin oder Amiodaron, intravenös verabreicht werden.

Bildmaterial

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